Prognose als Orientierung – myrate als Kompass
Die neue österreichische Nächtigungsprognose im Vergleich mit den Echtzeit-Nachfragedaten von myrate
[Berlin, 09.04.2026] Die Österreich Werbung hat gemeinsam mit JOANNEUM RESEARCH, der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und der Technischen Universität Wien ein innovatives Prognosemodell entwickelt, das Nächtigungszahlen für 100 österreichische Tourismusregionen bis zu zwölf Monate im Voraus vorhersagt. Wir haben Prof. Dr. Wolfram Höpken, Professor für Wirtschaftsinformatik und wissenschaftlicher Beirat von myrate, gefragt, wie er das Projekt einschätzt und was es für Touristiker und Destinationsmanager in der Praxis bedeutet.
Die Österreich Werbung hat ihr Nächtigungsprognosemodell vorgestellt – ein Gemeinschaftsprojekt mit JOANNEUM RESEARCH, der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und der TU Wien. Wie bewerten Sie diese Initiative grundsätzlich?
Es ist ausdrücklich begrüßenswert, dass auf nationaler Ebene nun ein strukturiertes, öffentlich zugängliches Prognosemodell für den Tourismus entsteht. Bisher konnten einzelne Beherbergungsbetriebe ihre Auslastung schätzen, aber ein flächendeckendes Modell für ganz Österreich fehlte.
Dass die Methodik transparent dokumentiert und der Quellcode sogar als Open Source veröffentlicht wird, ist zusätzlich lobenswert. Das zeigt, dass hier nicht nur ein Produkt, sondern auch Wissen für die Branche geschaffen werden soll.
Das Modell nutzt einen Random-Forest-Ansatz, Kalenderinformationen, Eventdaten und interessanterweise auch Mobilfunkdaten. Was halten Sie von dieser Methodik?
Die Methodik ist solide und entspricht dem aktuellen Stand der Praxis. Random Forest hat sich für viele Prognoseanwendungen sehr gut bewährt. Die Erkenntnis der Forscher, dass modernere Architekturen wie LSTM oder Transformer-Modelle hier nicht zwingend besser abschneiden, überrascht mich nicht. Im Einzelfall hängt das stark von der verfügbaren Datenbasis ab.
Besonders interessant finde ich den Ansatz, monatliche Prognosewerte mithilfe von Mobilfunkdaten auf Tagesebene herunterzubrechen. Das ist methodisch clever, weil Mobilfunkdaten die tatsächliche physische Anwesenheit von Gästen in einer Region abbilden. Für Dritte ist dieser Ansatz allerdings schwer zu replizieren, da man dazu direkten Zugang zu den entsprechenden Rohdaten der Mobilfunkanbieter benötigt.
Wo sehen Sie die größten Einschränkungen dieses Modells?
Das ist der entscheidende Punkt. Alle autoregressiven Modelle – also Ansätze, die im Kern auf historischen Auslastungsdaten aufbauen – unterliegen einer fundamentalen Einschränkung: Sie schreiben die Vergangenheit fort. In normalen Jahren funktioniert das gut, weil saisonale Muster und langfristige Trends stabil sind. Im einfachsten Fall reicht ein Blick auf den Vorjahreswert plus ein geschätzter Wachstumsfaktor und es ergibt sich die gewünschte Prognose.
Das eigentliche Problem entsteht, sobald außerordentliche Ereignisse auftreten: eine Pandemie, ein geopolitischer Konflikt (wie zum Beispiel aktuell im Nahen Osten), ein extremes Wetterereignis oder eine plötzliche Wirtschaftskrise. Solche Einflüsse lassen sich aus historischen Daten schlicht nicht ableiten. Die Österreich Werbung weist auf diese Einschränkung auch transparent hin.
Genau das ist ein Kernmerkmal von myrate: aktuelle Nachfragedaten in Echtzeit. Wo liegt der entscheidende Unterschied?
myrate bildet die tatsächliche, gegenwärtige Nachfragesituation ab und zwar für ein Jahr im Voraus. Die Daten zeigen, wie stark die Nachfrage heute ist, nicht wie sie statistisch sein sollte. Damit sind außerordentliche Einflüsse automatisch enthalten: Wenn ein Großevent eine Region kurzfristig begehrt macht, wenn ein geopolitisches Ereignis Buchungen einbrechen lässt oder wenn ein neuer Trend völlig neue Zielgruppen mobilisiert. All das spiegelt sich in den myrate-Daten wider. Eine Prognose auf Basis historischer Daten kann das strukturell nicht leisten, weil diese Informationen schlicht noch nicht in der Vergangenheit vorhanden waren.
Sind die Prognosen der Österreich Werbung also eine Konkurrenz für myrate?
Das würde ich klar verneinen. Es handelt sich um grundsätzlich verschiedene Ansätze, die unterschiedliche Fragen beantworten. Die Nächtigungsprognose der Österreich Werbung ist ein Planungsinstrument für die mittelfristige Zukunft – nützlich für strategische Orientierung auf regionaler oder nationaler Ebene. Die myrate-Daten hingegen beantworten die Frage: Wie ist die aktuelle Marktlage? Was passiert jetzt, in dieser Saison, in dieser Woche?
Ich würde sagen: Die Prognosen der Österreich Werbung können eine sinnvolle Ergänzung zu den myrate-Daten sein, aber sie können diese nicht ersetzen. Eine Prognose ohne den Anker aktueller Nachfragedaten bleibt letztlich eine Extrapolation der Vergangenheit. Und die Vergangenheit war bekanntlich nicht immer ein verlässlicher Ratgeber.
Arbeitet myrate selbst an Prognosemodellen?
Ja, und zwar bereits aktiv. myrate verfolgt dabei mehrere Ansätze. Zum einen werden autoregressive Prognosen auf Basis historischer Daten entwickelt, ähnlich dem Ansatz der Österreich Werbung. Diese liefern eine solide Basisorientierung für normale Marktbedingungen. Besonders vielversprechend ist darüber hinaus die Prognose auf Basis des Buchungsverlaufs. Hier fließen aktuelle Buchungsdaten ein, was kurzfristig deutlich präzisere Ergebnisse liefert, weil außerordentliche Marktbewegungen bereits im Buchungsverhalten sichtbar werden. Dieses Verfahren ist naturgemäß eher kurzfristig ausgerichtet, liefert aber dafür eine höhere Treffsicherheit.
Und dann gibt es noch einen weiteren Ansatz: Prognosen auf Basis von Google-Trends-Daten. Denn Suchanfragen spiegeln außerordentliche Einflüsse – positive wie negative – frühzeitig wider. Das ist ein Bereich, der konsequent weiterentwickelt werden soll.
Was empfehlen Sie Touristikern und Destinationsmanagern im Umgang mit diesen verschiedenen Datenquellen?
Nutzen Sie alle verfügbaren Instrumente, aber verstehen Sie ihre jeweiligen Stärken und Grenzen. Prognosen auf Basis historischer Daten sind wertvoll für die mittelfristige Planung und strategische Orientierung: Welche Saisonverläufe sind zu erwarten? Wo liegen Potenziale in bestimmten Quellmärkten? Für operative Entscheidungen hingegen – Preisgestaltung, Kapazitätssteuerung, gezielte Vermarktungsaktivitäten – brauchen Sie aktuelle Marktdaten, die zeigen, was gerade wirklich passiert.
Die Frage ist nicht entweder oder, sondern wie man beide Perspektiven klug kombiniert. Wer langfristige Prognosen mit Echtzeit-Nachfragedaten verknüpft, hat das vollständigste Bild des Marktes.
Fazit:
Das Nächtigungsprognose-Projekt der Österreich Werbung ist ein wertvoller Beitrag zur datengestützten Tourismusplanung in Österreich. Das Modell liefert solide Orientierungswerte auf Basis historischer Nächtigungsdaten, Ferien- und Feiertagsinformationen aus relevanten Quellmärkten sowie regionaler Events – methodisch transparent und öffentlich zugänglich. Die Integration von Mobilfunkdaten zur Herleitung von Tagesprognosewerten aus Monatsdaten ist dabei ein methodisch interessanter und in dieser Form bislang selten eingesetzter Ansatz.
Gleichwohl liegt die systemimmanente Grenze aller autoregressiven Prognosemodelle auf der Hand: Sie extrapolieren die Vergangenheit in die Zukunft. Außerordentliche Ereignisse – ob Pandemien, geopolitische Veränderungen, Wirtschaftsschocks oder plötzliche Nachfrageverschiebungen – sind in historischen Daten nicht abgebildet und können folglich auch nicht prognostiziert werden. Die Österreich Werbung benennt diese Einschränkung selbst offen, was den seriösen Anspruch des Projekts unterstreicht.
myrate-Daten hingegen bilden die tatsächliche, gegenwärtige Nachfragesituation ab. Da sie die aktuelle Marktlage im laufenden Jahr widerspiegeln, sind außerordentliche Einflüsse in ihnen per Definition bereits enthalten. Die Nächtigungsprognose der Österreich Werbung ist daher kein Ersatz für myrate-Daten, sondern allenfalls eine sinnvolle Ergänzung: für die strategische, mittelfristige Planung. Während myrate die operative, auf die aktuelle Marktrealität ausgerichtete Entscheidungsgrundlage liefert.
myrate arbeitet zudem bereits aktiv an eigenen Prognosemodellen auf Basis historischer Daten, Buchungsverläufen und Google-Trends-Signalen. Letztere haben den entscheidenden Vorteil, dass sie außerordentliche Nachfrageimpulse frühzeitig abbilden.
Das Ziel: Kurzfristige Echtzeit-Nachfragedaten und längerfristige Prognosemodelle künftig unter einem Dach zu vereinen und Touristikern damit das vollständigste Bild des Marktes zur Verfügung zu stellen.
Über Prof. Dr. Wolfram Höpken:
Wolfram Höpken ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Ravensburg-Weingarten und Leiter des Instituts für Digitalen Wandel (IDW) sowie des LAB4DTE (LAB for Digital Transformation & Entrepreneurship). Seine Forschungsschwerpunkte sind Künstliche Intelligenz, Data Science und Big Data Analytics, Semantic Web sowie IKT-Systeme im Tourismus.
Wolfram Höpken war Vizepräsident, Commercial Director und Mitglied des Vorstands der internationalen Vereinigung IFITT für mehr als 15 Jahre. Er war Chair des Research Tracks der ENTER-Konferenz und Overall Chair der ENTER-Konferenz und hat den CEN/ISSS Workshop eTOUR geleitet. Wolfram Höpken ist regelmäßiger Redner zum Thema Künstliche Intelligenz und Data Science im Tourismus. Er wurde als Experte des Ausschusses für Tourismus des Deutschen Bundestages zum Thema "Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik - Chancen für den Tourismus" eingeladen und war Mitglied der Arbeitsgruppe Digitalisierung der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) initiierten Nationalen Plattform für die Zukunft des Tourismus (NPZT). Wolfram Höpken hat über 100 peer-reviewed Publikationen und Buchbeiträge veröffentlicht und ist Editor-in-Chief des Journals für Information Technology & Tourism.
myrate und Guestnet vereinbaren strategische Partnerschaft: Smarte Daten treffen auf digitale Gästekommunikation
Zum Auftakt der ITB Berlin 2026 geben die beiden touristischen Tech-Unternehmen myrate und Guestnet ihre strategische Partnerschaft bekannt. Die Zusammenarbeit verknüpft myrates KI-gestütztes Daten-Ökosystem mit der führenden Guest-Experience-Plattform von Guestnet. Damit wird ein bisher einzigartiges Gesamtpaket für Beherbergungsbetriebe im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus geschaffen.
myrate liefert umfassende Daten für den Data Hub NRW – neue Impulse für datenbasierten Tourismus
Die myrate GmbH ist ab sofort Kooperationspartner von Tourismus NRW im Rahmen des landesweiten Projekts „Data Hub NRW“. Ziel der Kooperation ist es, durch die Bereitstellung hochwertiger, aktueller Tourismusdaten die digitale Transformation des nordrhein-westfälischen Tourismus entscheidend voranzubringen. myrate liefert dazu sowohl statische als auch dynamische Daten, die eine datenbasierte Steuerung und Optimierung der touristischen Angebote ermöglichen.
Mediaplus Austria und myrate revolutionieren Tourismuswerbung
Mit Smart Data setzen Mediaplus Austria und myrate gemeinsam mit Burgenland Tourismus neue Maßstäbe im Tourismusmarketing. Durch die intelligente Nutzung von präzisen Beherbergungsdaten konnte die Kampagnensteuerung erstmals in Echtzeit und automatisiert an Auslastung und Preisentwicklung angepasst werden. Ein Modell für die Zukunft des touristischen Marketings.
Unsere Produkte
Unsere Produkte unterstützen unsere Kunden, Preise strategisch zu steuern, Gästeaufkommen frühzeitig zu erkennen, Tourismusentwicklungen sichtbar zu machen und ihre Teams gezielt zu stärken – einfach, effizient und transparent.
Über uns
Bei myrate analysieren wir präzise Märkte und Daten speziell aus dem Tourismus. Eine Beobachtung des Marktes, Zahlen und intensiver Austausch mit Partnern und Fachleuten zeigt, dass hier ein dringender Bedarf besteht.
Wissen für die Tourismusbranche
Ob Whitepaper, Webinar oder Best Practice: Wir zeigen aktuelle Entwicklungen, ordnen Trends ein und geben konkrete Handlungsempfehlungen für Destinationen, GastgeberInnen und andere touristische Akteure.